wer_ist_hedwig
WER IST HEDWIG?

Hedwig ist der Name meines Blogs.

Es stand für mich sofort fest. HEDWIG! – so wird dieser Blog heißen.
Jeder der mit der Harry-Potter-Buchreihe oder den Verfilmungen aufgewachsen ist, wird wohl beim Namen „Hedwig“ als erstes eine hübsche, weiße Schnee-Eule vor Augen haben. Auch ich hatte natürlich sofort das Bild im Kopf.
Ich wollte einen Namen, der persönlich ist. Etwas, das in direkter Verbindung zu mir und meinen Erlebnissen steht.
Zwar bin ich auch mehr oder weniger mit Harry Potter groß geworden. Allerdings war die Eule aus der Fantasyreihe nicht der Hauptgrund für die Namensgebung.

Hedwig ist der Name meiner Oma.

Sie starb, als ich 4 oder 5 war. Ich habe sie, ruhig im Sessel sitzend und ihre Familie beobachtend, vor Augen. Sie hatte einen Sinn für kleine Dinge, Schokolade & Genuss. Der kindlichen Naivität und Neugier geschuldete Malheure, nahm sie stets gelassen und mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Sie hatte einen gewissen Schalk in den Augen, ein Funkeln. Sie war eine kleine und zarte Person. Doch ihr Witz, ihre Kraft und Stärke scheinen mir riesig und bis heute präsent.
Davor habe ich Hochachtung, denn ihr Leben war nicht immer leicht.
Ihr Freund und Vater meines Vaters war Kampfflieger und starb im Krieg. Mein Vater wurde 1943 geboren. Sie erzog meinen Vater während und nach dem Krieg allein, wie so viele Frauen in jener Zeit. Sie war Sekretärin und wurde über mehrfach entzündete Handgelenke arbeitsunfähig. Sie arbeitete wo und wann immer es ging, um meinem Vater zu ernähren und ihm ein kindgerechtes Leben zu ermöglichen. So gut das in Nachkriegszeiten eben möglich war. Wie schwer das gewesen sein muss, kann ich mir kaum ausmalen.
Die Nachricht, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, beichtete Oma meinen Eltern relativ zeitgleich mit meiner Geburt. Einmal schaute sie, so erzählte es mir meine Mutter, versonnen in meinen Kinderwagen und meinte: „Es ist schon verrückt, ein neues Leben kommt, ein altes Leben geht.“.
Sie hätte depressiv, ausgelaugt, wenigsten melancholisch sein können. Doch die Erzählungen und meine Erinnerung zeichnen das Bild einer kleinen, feinen, kämpferisch starken, beschützenden und lebensfrohen Frau. Eine Frau, die sich trotz Widrigkeiten nicht unterkriegen ließ. Die stolperte und wieder aufstand. Und die der Überzeugung war: „Solange ich in euren Herzen bin und die Geschichten weiter leben, bin ich noch immer da. Bin unter euch und pass’ auf euch auf.“

Hedwig ist ein Stern.

Meine Mutter erklärte mir, auf die kindliche Frage wo Oma denn jetzt hin sei: „Du kannst sie vielleicht nicht sehen, aber sie ist noch da. Und wenn du einmal Angst hast, dich allein fühlst oder nicht weiter weißt, dann schau in den Himmel. Da oben ist ein funkelnder Stern, das ist Oma, die auf dich herabschaut und auf dich aufpasst.“ Ich nickte verstehend und fragte diesen Stern, wann immer ich einen
leisen Rat brauchte.
Was ich damals nicht wusste, es gibt tatsächlich einen Asteroiden am Himmel namens Hedwig (476). So wurde Oma zu meinem Schutzpatron. Auch wenn es „nur eine Geschichte ist“, frage ich sie noch heute um Rat.

Hedwig ist ein Schutzpatron.

Der Bogen zu der Schnee-Eule lässt sich so einfach ziehen. Wie meine Oma, ist die Schnee-Eule eine Beschützerin, ein Patron. Sie ist weise und steht Harry als stiller Ratgeber, wenn er mal nicht weiter weiß, zur Seite. Sie begleitet ihn durch alle Krisen, bis zum letzten Band der Geschichte und stirbt letztlich bei dem Versuch, Harry zu schützen.
Der Name Hedwig ist von Joanne K. Rowling vermutlich nicht zufällig gewählt worden. Er ist Althochdeutsch und setzt sich aus: Hadu – Streit, Kampf, Krieg und Wig – ringen, die Kämpferin, zusammen. Wie passend, für Eule und Großmutter!
Es gab sogar eine Heilige Hedwig. Hedwig von Andechs und Schlesien. Sie war nach dem Zweiten Weltkrieg Symbolgestalt für die verlorene Heimat. Ein Anker für alle, die sich nach dem Krieg verloren und heimatlos sahen. Heute gilt sie auch als Patronin für Versöhnung (vor allem zwischen Deutschland und Polen).

Hedwig ist eine Kämpferin.

Nicht nur die Schnee-Eule, meine Oma oder auch die Heilige Hedwig stehen für einen gewissen Kampfgeist. Bei der Suche nach Personen mit jenem Namen, stieß ich auf Hedwig Dohm. Sie lebte 1831 bis 1919 in Berlin und war eine der ersten feministischen Theoretikerinnen. Hedwig veröffentlichte in 1870er Jahren ihre ersten vier feministischen Bücher, in denen sie die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen und Männern forderte. Als eine der Ersten machte sie sich in Deutschland für das Stimmrecht der Frauen stark. Kämpfte für gleiche Bildung von Mädchen und Jungen. Das stieß auf heftige Kritik und machte sie gleichzeitig berühmt. Auch sie ließ sich, ihrem Namen gerecht, von Gegenwind und Hürden nicht unterkriegen. Sie begründete in den 1880ern mehrere Frauenvereine (z. Bsp.: Reform / Verein Frauenbildung). Die Frauenbewegung erstarkte und Hedwig ging als frühe Vordenkerin des Feminismus in die Geschichte ein.

Hedwig ist ein Sinnbild.

Fasse ich alles zusammen, ist Hedwig das Sinnbild für Kampf und Stärke in stürmischen Zeiten. Sie ist ein Patron und Anker, wenn man sich verloren und heimatlos fühlt. Sich einen neuen Weg sucht. Ein Stern und ein Symbol, möchte man sich mit sich selbst oder anderen versöhnen.

Dieser Blog ist HEDWIG.